Freie Redner Ausbildung

Katie Knees berichtet von ihrem ersten Jahr als Trauerrednerin
Foto von Christian Palm

Mein erstes Jahr als Trauerrednerin

Drei Fragen, die mich bei der Entdeckung meiner Berufung begleitet haben.

“Echt? Das kannst Du? Ich könnte das ja nicht!” – das ist glaube ich die häufigste Reaktion, wenn ich jemandem davon erzähle, dass ich Trauerfeiern mache. 

Und vielleicht habe ich nach der Ausbildung auch selbst zuerst gedacht: “Hochzeiten? Klar!” Champagner, Sonne, Musik – ausgelassene Freude…ein echter Traumjob. Wenn bei Hochzeiten geweint wird, dann handelt es sich dabei höchstens um Freudentränen. Natürlich liebe ich Hochzeiten! Aber dann kamen die ersten Anfragen für Trauerfeiern und ich bin ins kalte Wasser gesprungen und habe schnell festgestellt: In kaum einem Moment bin ich so authentisch und bei mir selbst, wie wenn ich mit allen Sinnen für eine Familie da bin, die von einem geliebten Menschen Abschied nimmt. 

Ich habe darin eine echte Berufung gefunden, die mich zutiefst mit Sinn und Freude erfüllt. Ja, Freude. Diese Freude hat völlig andere Farben, als die Fröhlichkeit einer Hochzeitsfeier, aber die beiden äußerlich so unterschiedlichen Anlässe verbinden dennoch zwei Dinge: mein tiefes Interesse am Menschsein und an der Liebe in allen Facetten.

Foto von Christian Palm

Bei einer Trauerfeier reduziert sich alles auf die Essenz. Jedes Wort entfaltet in diesem Abschied seine Leuchtkraft, in jeder Geste steckt wie nirgendwo sonst allergrößte Bedeutung. Das heißt aber nicht, dass es deshalb steif oder tieftraurig zugeht – ganz im Gegenteil. Es ist einfach alles sehr echt, was bei einer Trauerfeier emotional passiert. Und es macht mich zum Beispiel unheimlich glücklich, wenn manche kleinen Details meiner Rede der trauernden Tochter spontan auch mal ein herzhaftes Lachen entlocken. Wenn die schönen Erinnerungen, die ich lebendig mache, plötzlich stärker sind, als der Schmerz des Abschieds. Und wenn die Liebe zu dem Menschen so spürbar und tröstend ist, dass diese Gefühle in der Trauerfeier präsenter sind, als der Verlust.

“Wo und wie findet eine Freie Trauerfeier denn eigentlich statt?” – das ist auch eine Frage, die mich in diesem ersten Jahr oft begleitet hat. Wie und wo eine Trauerfeier möglich ist, das musste ich selbst auch erstmal ausloten. Und ich lerne bei jeder weiteren Zeremonie immer noch dazu – das wird wohl niemals aufhören.

Ich habe gemerkt, dass man schnell spürt, ob man mit einem Bestatter auf einer Welle schwimmt. Und dass es für eine Trauerfeier, genauso wie bei einer Hochzeit, keine Standards gibt, die man „bedienen“ muss.

Ich habe Trauerfeiern mit viel Musik und mit kaum Musik gestaltet – mit einer Traube bunter Luftballons im Gepäck, direkt am Grab unter einem Baum und ich habe auch mal im Rahmen der Liturgie einer katholischen Messe über einen Verstorbenen gesprochen. Und egal, ob ich in der Trauerhalle auf dem altehrwürdigen Melatenfriedhof mitten in Köln einen Menschen verabschieden durfte, oder in einer klitzekleinen Kapelle in Bonn – ob bei 40 Grad unter freiem Himmel im Hochsommer oder bei 4 Grad in einem winterlichen FriedWald: Was mir in allen Situationen immer wieder auffällt, ist, dass es bei einer Trauerfeier nie um die Äußerlichkeiten geht. Die Kraft der gesprochenen Worte steht absolut im Mittelpunkt. Sie kreiert die Atmosphäre und macht aus, dass der Abschied in liebevoller Erinnerung bleiben wird.

Ich glaube, mir hat in keinem anderen Kontext jemals jemand so aufmerksam zugehört, wie die Angehörigen in einer Trauerfeier.

“Musst Du denn nicht auch weinen, wenn alle um Dich herum so traurig sind?”, das werde ich ganz oft gefragt. Und ganz ehrlich. Mir kommen IMMER die Tränen. Ich bin sowieso nah am Wasser gebaut und in diesen Momenten ganz nah dran an den Angehörigen. Die Beziehung, die innerhalb kürzester Zeit entsteht, ist intim und intensiv. Im Kontext dieses Kennenlernens ist kein Raum für Smalltalk, das schätze ich sehr. Aber vor allem braucht mich die Familie in dem Moment auch als 1000%igen Profi – dieses Versprechen hilft mir dabei, auf jeden Fall die Fassung zu wahren. Wenn mich beim Reden das Mitgefühl überflutet, weil in der ersten Reihe die Enkel bitterlich weinen, dann mache ich einfach eine kleine Pause und halte kurz inne, für die Anwesenden vermutlich kaum spürbar – ich nehme innerlich noch einmal bewusst Druck raus, atme ein und aus und besinne mich auf mein professionelles Herzensanliegen in dem Moment: Der Familie zu schenken, dass ich ihren Angehörigen liebevoll würdige und dass ich dabei die Fassung wahre und Worte ausspreche, die ansonsten in diesem Moment niemand finden kann. In dem Moment bin ich der Anker.

Katie und andere Trauerredner findest Du hier: www.werduwarst.de

“Ich hatte das Gefühl, Sie kennen unsere Familie schon viel länger”

“Das hätte der Mama auch gefallen”

“Ich hatte vorher total Angst vor der Trauerfeier und danach dachte ich dann: Das war trotz allem ein richtig schöner Tag”

– das sind einige der Rückmeldungen von Angehörigen, die ich nach den Trauerfeiern bekommen habe. Diese Reaktionen zeigen mir immer wieder, wie unglaublich wichtig diese Aufgabe ist, der wir Trauerrednerinnen und Trauerredner uns verschrieben haben – und diese Nachrichten füllen mich persönlich regelmäßig mit tiefer Dankbarkeit und Demut.

Katie Knees

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