Martin Lieske auf Stuhl vor Whitescreen

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Ein Rück- und Ausblick auf den Markt Freie Redner*innen

Ein wichtiger Hinweis zu Beginn:

Es ist nach meinem Wissenstand nicht möglich auf 100 % verlässliche Zahlen zuzugreifen, weil schlichtweg keine umfassenden Umfragen in dem Bereich der Freien Zeremonien existieren. 

Die im Folgenden genannten Zahlen sind meist Schätzungen meinerseits. 

Sollte dem Leser, der Leserin verlässliche Zahlen vorliegen, bin ich für jeden präzisierenden und auch korrigierenden Hinweis dankbar.

Die Freien Zeremonien im Bereich von Hochzeiten, Trauerfeiern und Kinderwillkommensfesten erleben einen seit Jahren anhaltenden Aufschwung, dessen Höhepunkt noch nicht erreicht ist. Ganz im Gegenteil: Der gesellschaftliche Wandel im Bereich der individuellen Zeremonien, losgelöst von kirchlichen und staatlichen Instanzen, steht erst am Anfang.

Wie die Zahl der Kirchenaustritte steigt, so wächst die Nachfrage Freier Zeremonien.

Aber wir beginnen von vorne.

Es begann mit Freien Trauungen durch Freie Theologen.

In den Jahren 2003-2005 boten die ersten Redner die noch unbekannte Freie Trauung an.
2005 gab es bis zu 20 Freie Theologen in Deutschland, welche Freie Trauungen durchführten.
Der Grund dieser Geburt der Freien Trauung war das Zusammenkommen zweier Bedürfnisse.
Das erste Bedürfnis:
Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen ihren Beruf in der Kirche aufgaben oder aufgeben mussten, standen vor der Herausforderung, ihren Lebensunterhalt in der freien Marktwirtschaft nach ihrem Ausscheiden zu verdienen.
Das Zweites Bedürfnis:
Die Paare waren nicht mehr bereit, Zeremonien über sich ergehen zu lassen, die weder im Ablauf noch im Inhalt ihre Persönlichkeiten zum Inhalt hatten. Der Wunsch nach Individualität beschränkte sich nicht mehr ausschließlich auf die Gästeauswahl, die Feier, die Location, sondern umfasste nun auch die Zeremonie.
Beide Bedürfnisse führten zu den ersten Freien Trauungen in Deutschland.

Ab 2006/2007 verbreitete sich die neue Möglichkeit, die eigene Trauung durch den Weg der Freien Trauung mit gestalten zu dürfen, wie ein Lauffeuer. Die Zahlen schnellten nach oben, die wenigen Freien Theologen sahen sich mit sehr hohen Anfragezahlen konfrontiert.
In dieser Phase des Marktes war ein Hochzeitspaar froh, wenn man noch einen Freien Theologen zu seinem Wunschtermin buchen konnte.
Die Freien Trauungen konnten christliche Elemente beinhalten, mussten sie aber nicht.
Die meisten Freien Theologen boten neben den Freien Trauungen auch Kinderwillkommensfeste und Trauerfeiern an.

Ab ca. 2010: Die Freie Trauung an sich entwickelte sich in ihrer Gestaltung weiter, da die Ansprüche der Hochzeitspaare wuchsen.
Reichte zu Anfang eine vorgetragene persönliche Rede mit schöner Musik, wurden nun die Abläufe, die Reden und auch die Technik stetig zum Wohle der Paare und ihrer Gäste optimiert. Einmal, um die Kunden*innen zufrieden zu stellen, auf der anderen Seite um sich von der wachsenden Konkurrenz abzuheben.
Ein insgesamt sehr gesunder und guter Prozess, der für mehr Qualität sorgte und immer noch sorgt.

Das Berufsbild der Zeremonienleiter*innen wurde erweitert: Es wurde deutlich, dass es keinen kirchlichen Hintergrund bedurfte, um eine Freie Trauzeremonie zu leiten.
Der Begriff „Freie Redner“ oder „Trauredner“ setzte sich mehr und mehr durch. Besonders Menschen die schon in einer Freiberuflichkeit arbeiteten, nahmen diese Dienstleistung in ihrem Portfolio auf. Sänger*innen, Musiker*innen, Hochzeitsplaner*innen, Schauspieler*innen erkannten neue Chancen in diesem wachsenden Markt.
Die Medienlandschaften nahmen das Thema auf, ein neues Berufsbild war entstanden.
Die meisten Freien Redner*innen starteten alleinig mit den Trauzeremonien, doch das sollte sich ändern.
Ca. 100-150 Redner*innen in Deutschland entdeckten den Beruf und entwickelten diesen weiter.

Ab ca. 2013 starteten die ersten Freien Theologen*innen und Freien Redner*innen damit, andere Menschen in Seminaren auszubilden. 1:1 fand das mit Sicherheit schon in den Jahren zuvor statt.
Das Berufsbild verfestigte sich.

2016 gab es in Deutschland das erste Zertifikat einer anerkannten Institution, der IHK Köln.
Die Agentur Freie Redner freieredner-ausbildung.com bot als erste Seminare mit diesem anerkannten Abschluss in Köln an. Der Titel lautet bis heute: „Freier Redner (IHK)“.
Weitere Anbieter, weitere IHK‘s, zogen in den nächsten Jahren nach und verliehen dem Beruf mehr Seriosität und Anerkennung.
Mittlerweile gab es ca. 1300 Freie Redner*innen auf den deutschen Markt.

Solltest du einer von ihnen werden wollen, bieten wir dir gerne eine fundierte Trauerredner Ausbildung und Trauredner Ausbildung an!

Freie Redner Ausbildung auch in der Schweiz und in Österreich. Lies hier mehr dazu.

2017 erfuhr die Disziplin des*der Trauerredners*Trauerrednerin ihren Durchbruch.
Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass es die Tätigkeit des Trauerredners schon so lange gibt, wie Menschen ohne kirchlichen Hintergrund verabschiedet wurden: Seit Jahrhunderten.
Somit setzte eine Verdrängung ein:
Neue Trauerredner*innen fingen an, die alte Generation der Redner*innen vom Markt zu verdrängen.
Dies gelang, da die neuen Redner*innen viel Wert auf individuelle und damit persönliche Trauerzeremonien legten, sich mit dem*r Verstorbenen intensiv beschäftigen und diese zum Mittelpunkt der Zeremonie und der Rede machten.
Auch hier stand der Wunsch der Menschen nach Individualität als Auslöser dieses Wechsels im Mittelpunkt. Der gesamte Umgang der Gesellschaft mit dem Thema Tod erlebt in diesen Jahren eine Veränderung. Eine Folge war und ist: Die Angehörigen gehen mehr und mehr selbständig auf die Suche nach dem*der passenden Redner*in für die anstehende Trauerfeier.

2020 erfährt der Beruf des*der Freien Redners*Rednerin eine weitere entscheidende Aufwertung durch den Zugang zu dem bis heute höchstmöglichen anerkannten Abschluss:
Der Personenzertifizierung nach EU-Norm.
Erneut ist es die Ausbildung von Freie Redner, denen es gelingt in ihrer Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer Österreich diesen Abschluss in der ganzen EU einzuführen.
Offizieller Titel der Redner*innen, die diesen Abschluss erlangen: „Zertifizierte Freie Rednerin (ZFR).“
Dieser Titel ist die logische Folge, einer seitens der Gesellschaft stattfindenden Aufwertung des Berufes Freie*r Redner*in.
Der Beruf professionalisiert sich immer weiter in Deutschland.
Wir finden jetzt ca. 1700 Redner*innen für Zeremonien auf dem deutschen Markt.

2020 – 2021
Noch Anfangs durch die Corona Pandemie ausgebremst, erfreut sich die dritte Zeremonie immer größerer Beliebtheit: Das Kinderwillkommensfest.

Immer mehr Redner*innen für Zeremonien wagen jetzt den Schritt in die Hauptberuflichkeit und bringen so einen weiteren Schub an Professionalität in das gesamte Berufsbild.

Die Zukunft

Das Berufsbild des Freien Redners, der Freien Rednerin ist gesellschaftlich akzeptiert. Die Freien Zeremonien haben ihren festen Platz ins Leben der Menschen gefunden.
Es wird in den nächsten Jahren einen anhaltend wachsenden Bedarf an Freien Redner*innen geben, da das quantitative Potential der Freien Zeremonien nach wie vor groß ist.
Durch die wachsende Professionalisierung des Berufes, werden die Redner*innen vom Markt verdrängt, die das Abhalten von Zeremonien mit dem Aufwand eines Hobbies betreiben.

Den Kunden werden in den nächsten Jahren zwei Punte immer wichtiger:

Das Erkennen der Persönlichkeit des*r Redner*in und die Qualität ihrer*seiner abgehaltenen Zeremonien.

Das Erkennen der Persönlichkeit kann auf Dauer nur durch das Kreieren der eigenen Personenmarke und deren optimalen Darstellung im Marketing gelingen.
Selbst gebaute Internetseiten, von der Freundin geschossene Fotos und schlechte Logos, die keine durchdachte und durchgehende Aussagekraft bezüglich des Redners, der Rednerin haben, werden von den Kunden innerhalb Sekunden vergessen und nicht beachtet.
Die Kunden haben nun in ihrer Wohnortnähe eine Auswahl an Redner*innen zur Verfügung. Entscheidend ist nicht mehr das Angebot (Freie Zeremonien, Gespräche etc.)  an sich (das wird als selbstverständlich vorausgesetzt), sondern der Redner, die Rednerin mit ihrer Persönlichkeit.

Die Qualität der Zeremonie wird unter anderem an der Fähigkeit des*der Redners*Rednerin gemessen, ob er*sie in der Lage ist, seine*ihre Rede frei, kreativ und mit Leidenschaft zu halten.
Die Zeit der abgelesenen Reden, die nur Geschichten wiedergeben oder das nahezu 1:1 wiedergeben, was die Kunden vorher im Gespräch geäußert haben, wird zu Ende sein und von den Kunden weder akzeptiert noch bezahlt werden.
Eine abgeschlossene Ausbildung mit einem anerkannten Abschluss einer neutralen Instanz wird als selbstverständlich vorausgesetzt sein.
Zu wichtig ist diese eine Zeremonie, an die man sich ein Leben lang erinnert.

Wie auf allen anderen Märkten wird sich Qualität und Leidenschaft durchsetzen.

Euer Martin Lieske

Autor*in

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