Berühmte Trauerreden - 10 wegweisende Beispiele

Ein letztes Wort, das bleibt: Manche Reden sind so kraftvoll, dass sie nicht nur für den einen Moment des Abschieds gemacht sind, sondern Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte überdauern.

Ob sie nun von Freiheit handelten, die Mächtigen herausforderten oder eine ganze Nation zu Tränen rührten – diese 10 Grabreden haben die Welt bewegt. Erfahre hier, wer sie hielt, warum sie Geschichte schrieben und welche Botschaften uns auch heute noch Gänsehaut bereiten.

Wer Trauerredner werden möchte, kann daraus viel lernen!

Berühmte Trauerreden aus der Antike

Berühmte Grabreden haben Trauerredner inspiriert

In der Antike war die Grabrede (Epitaphios) ein politisches Instrument, um die Werte des Staates zu festigen.

Perikles’ Gefallenenrede (431 v. Chr.)

  • Der Kontext: Die Rede fand am Ende des ersten Jahres des Peloponnesischen Krieges statt. Es war in Athen Tradition, die Toten eines Kriegsjahres in einem Staatsbegräbnis zu ehren. Perikles, der führende Staatsmann Athens, wurde ausgewählt, die Rede zu halten.
  • Die Überlieferung: Wir kennen die Rede durch den Historiker Thukydides. Er schrieb sie in seinem Werk „Der Peloponnesische Krieg“ nieder. Historiker streiten bis heute, wie viel davon Original-Perikles ist und wie viel Thukydides’ eigene Interpretation, aber die Wirkung bleibt dieselbe.
  • Die rhetorische Revolution: Das Besondere war, dass Perikles die üblichen Klagemauern beiseite schob. Statt die Ahnenreihen der Toten aufzuzählen, pries er die „Polis“ (die Stadt). Er argumentierte, dass die Soldaten für ein Ideal gestorben seien, das es wert sei: Die Freiheit und die Demokratie Athens.
  • Kontrastprogramm zu Sparta: Die Rede war ein direkter Seitenhieb auf den Feind Sparta. Während Sparta auf militärischen Drill und Abgeschlossenheit setzte, betonte Perikles die Offenheit, die Kultur und die individuelle Freiheit Athens.

Was wir von Perikles lernen können

Werte über Schmerz: In Krisenzeiten reicht es nicht, das Leid zu beklagen. Perikles zeigt, dass man den Schmerz in Sinn verwandeln kann, indem man die Werte betont, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Visionäres Storytelling: Er beschrieb Athen nicht als einen Ort, sondern als eine Idee. Für Deinen eigenen Text oder Deine eigene Rede bedeutet das: Verkaufe nicht das „Was“ (den Anlass), sondern das „Warum“ (die Vision dahinter).

„Unsere Staatsverfassung ist kein Nachahmen fremder Satzungen, vielmehr sind wir selbst eher ein Vorbild für andere als deren Nachahmer. Ihr Name heißt, weil sie nicht auf wenige, sondern auf die Mehrheit ausgerichtet ist, Demokratie. [...] Kurz gesagt: Ich behaupte, dass unsere Stadt insgesamt die Schule von Hellas ist. [...] Denkt daran: Das Glück beruht auf der Freiheit, die Freiheit aber auf dem Mut.“

Marcus Antonius für Julius Caesar (44 v. Chr.)

  • Der historische Kern: Nach der Ermordung Caesars durch Brutus, Cassius und andere Verschwörer herrschte in Rom Chaos. Die Verschwörer glaubten, sie hätten die Republik gerettet. Marcus Antonius, Caesars engster Vertrauter, durfte die Grabrede halten. Unter einer Bedingung: die Mörder durften nicht offen angeklagt werden.
  • Die literarische Unsterblichkeit: Während die echte historische Rede verloren ist, schuf William Shakespeare in seinem Drama Julius Caesar eine Version, die heute als das Paradebeispiel für „Public Relations“ und psychologische Kriegsführung gilt.
  • Die Strategie der Ironie: Antonius nutzt eine extrem gefährliche Lage aus. Er beginnt demütig und wiederholt ständig, dass Brutus ein „ehrenwerter Mann“ sei. Durch die ständige Wiederholung in Kombination mit Beweisen für Caesars Großzügigkeit (wie sein Testament, in dem er dem Volk Geld hinterließ) kippt er die Bedeutung des Wortes „ehrenwert“ ins Gegenteil, ohne es jemals direkt auszusprechen.
  • Die Inszenierung: Antonius arbeitete mit starken visuellen Reizen. Er zeigte dem Volk Caesars blutige Toga und deutete auf die Einstiche der Dolche. Das verwandelte die abstrakte politische Tat der Verschwörer in einen grausamen, persönlichen Mord.

Was wir von Marcus Antonius lernen können

Die Macht der Ironie: Man muss einen Gegner nicht direkt angreifen, um ihn zu besiegen. Antonius zeigt, wie man durch das geschickte Hinterfragen von Behauptungen („Brutus sagt, er war ehrgeizig...“) das Publikum dazu bringt, sich selbst ein neues Urteil zu bilden.

Emotion vor Logik: Während Brutus versuchte, die Römer mit Logik und Staatsräson zu überzeugen, setzte Antonius auf Emotionen, Mitleid und greifbare Symbole. In der Kommunikation gewinnt oft die Geschichte, die das Herz berührt, nicht die, die den Verstand anspricht.

„Mitbürger! Freunde! Römer! Hört mich an! Ich komme, Caesar zu begraben, nicht ihn zu preisen. Das Gute, das die Menschen tun, wird mit ihnen begraben, das Böse lebt oft über sie hinaus. So sei es auch mit Caesar. Der edle Brutus hat euch gesagt, dass Caesar ehrgeizig war; wenn es so war, war es ein schweres Vergehen, und schwer hat Caesar es büßen müssen. Hier, mit Brutus’ Erlaubnis und der anderen – denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann, wie sie alle ehrenwerte Männer sind – komme ich, um bei Caesars Begräbnis zu sprechen.“

Berühmte Grabreden des 19. Jahrhunderts

Diese Ära nutzte Abschiedsworte, um große gesellschaftliche Umbrüche und wissenschaftliche Revolutionen zu erklären.

Abraham Lincoln (1863)

  • Der Kontext: Mitten im Amerikanischen Bürgerkrieg fand die Einweihung des Soldatenfriedhofs in Gettysburg statt, wo nur Monate zuvor eine der blutigsten Schlachten getobt hatte. Lincoln war eigentlich nur für ein „paar kurze Grußworte“ eingeladen; der Hauptredner des Tages war Edward Everett, der zwei Stunden lang sprach.
  • Die radikale Kürze: Lincoln sprach nur etwa zwei Minuten (272 Wörter). Viele Zuhörer waren zunächst enttäuscht oder bemerkten gar nicht, dass die Rede schon vorbei war. Everett schrieb Lincoln später: „Ich wäre froh, wenn ich der zentralen Idee des Anlasses in zwei Stunden so nahegekommen wäre, wie Sie in zwei Minuten.“
  • Die Neudefinition der USA: Vor Gettysburg sagte man im Englischen „The United States are“ (Plural). Nach dieser Rede und dem Krieg etablierte sich „The United States is“ (Singular). Lincoln verwandelte eine lose Sammlung von Staaten in eine unteilbare Nation.
  • Der Fokus: Er erwähnte weder die Sklaverei noch die Konföderierten namentlich. Er hob den Konflikt auf eine moralische Ebene: Es ging um das Überleben der Demokratie weltweit.

Was wir von Lincoln lernen können

In der Kürze liegt die Würze: Lincoln beweist, dass man kein langes Manuskript braucht, um die Welt zu verändern. Wer seine Botschaft auf das Wesentliche reduziert, erhöht ihre Durchschlagskraft.

Der Drei-Zeiten-Bogen: Die Rede folgt einer perfekten Struktur: Vergangenheit („Vor 87 Jahren...“), Gegenwart („Nun stehen wir in einem großen Krieg...“) und Zukunft („...dass diese Nation eine Neugeburt der Freiheit erlebe“). Das ist ein ideales Gerüst für jede mitreißende Präsentation.

„...dass wir hier feierlich geloben, dass diese Toten nicht umsonst gestorben sein sollen – dass diese Nation unter Gott eine Neugeburt der Freiheit erleben soll – und dass die Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk nicht von der Erde verschwinden möge.“

Friedrich Engels für Karl Marx (1883)

  • Der Kontext: Karl Marx starb am 14. März 1883 in London. Drei Tage später wurde er auf dem Highgate Cemetery beigesetzt. Nur elf Personen nahmen an der Beisetzung teil, doch die Rede, die Engels auf Englisch hielt, wurde kurz darauf in der deutschen Zeitung „Der Sozialdemokrat“ veröffentlicht und ging um die Welt.
  • Die Darwin-Analogie: Engels wählte einen genialen rhetorischen Schachzug: Er verglich Marx mit Charles Darwin. Da Darwin kurz zuvor die Biologie revolutioniert hatte, verlieh dieser Vergleich Marx’ Theorien sofort den Status einer unumstößlichen, „naturwissenschaftlichen“ Entdeckung.
  • Der doppelte Fokus: Engels würdigte Marx in zwei Rollen: als Wissenschaftler (Entdecker des Mehrwerts und der historischen Entwicklungsgesetze) und als Revolutionär (Kämpfer für das Proletariat). Er machte deutlich, dass Marx’ Theorien kein Selbstzweck waren, sondern Werkzeuge zur Veränderung der Welt.
  • Das Vermächtnis: Diese Rede markiert den Moment, in dem aus dem Werk eines einzelnen Mannes eine weltumspannende Ideologie – der Marxismus – geschmiedet wurde. Engels definierte hier, wie die Welt Marx in Erinnerung behalten sollte

Was wir von Friedrich Engels lernen können

Die Kraft der Analogie: Wenn Du ein komplexes oder neues Konzept erklärst, setze es in Beziehung zu etwas, das Dein Publikum bereits kennt und respektiert (wie Engels es mit Darwin tat). Das schafft sofortige Autorität.

Die Essenz finden: Engels schaffte es, ein riesiges, kompliziertes Lebenswerk auf eine einfache Formel herunterzubrechen: „Die Menschen müssen erst essen, bevor sie Politik treiben können.“ In der Kommunikation ist die Fähigkeit zur radikalen Vereinfachung der Schlüssel zum Erfolg.

„Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur entdeckte, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischem Überwucher verborgene einfache Tatsache, dass die Menschen vor allem zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können.“

Berühmte Trauerreden des 20. Jahrhunderts

Mit der Verbreitung von Radio und Fernsehen wurden Grabreden zu globalen Ereignissen, die kollektive Trauer in politisches Handeln verwandelten.

Lesetipp: Kann man eigentlich nebenberuflich Traurreder sein?

Ossie Davis für Malcolm X (1965)

  • Der Kontext: Malcolm X wurde am 21. Februar 1965 in Harlem ermordet. Er war eine hochgradig umstrittene Figur, von vielen Weißen und konservativen Medien als Prediger des Hasses stigmatisiert. Der Schauspieler und Aktivist Ossie Davis hielt die Trauerrede in der Faith Temple Church of God in Christ vor tausenden Menschen.
  • Die rhetorische Rückeroberung: Das Ziel der Rede war es, Malcolm X sein eigenes Narrativ zurückzugeben. Davis sprach nicht für die Presse oder die Kritiker, sondern direkt für die Menschen in Harlem. Er verwandelte das Bild des „gefährlichen Radikalen“ in das Bild eines Mannes, der sein Volk liebte und es lehrte, sich selbst zu respektieren.
  • Symbolik: Davis wählte eine fast königliche Sprache. Er nannte Malcolm einen „Prinzen“, was in krassem Gegensatz zur damaligen entwürdigenden Behandlung schwarzer Männer in den USA stand.
  • Das Echo: Die Rede war so bedeutsam, dass Ossie Davis sie Jahrzehnte später am Ende von Spike Lees Biopic Malcolm X (1992) noch einmal einsprach, wodurch sie einer neuen Generation bekannt wurde.

Was wir von Ossie Davis lernen können

Framing (Umrahmung): Davis zeigt, wie man durch die Wahl der Worte die Wahrnehmung einer Person komplett verändern kann. Er ersetzte Worte wie „Wut“ durch „Männlichkeit“ und „Aggression“ durch „Liebe zum eigenen Volk“.

Mut zur Kontroverse: Eine gute Grabrede muss nicht glätten. Davis thematisierte die Kontroversen um Malcolm X direkt, stellte sie aber in einen Kontext der Befreiung. Er lehrte uns: Steh zu den Ecken und Kanten Deines Themas, denn sie machen es authentisch.

„Hier, am Ende, in dieser Stunde und an diesem Ort, ehren wir Harlem, seinen Mut, sein Bestreben und seinen Stolz. Und wir ehren einen Mann, der dies alles verkörperte. Malcolm war unsere Männlichkeit, unsere lebendige, schwarze Männlichkeit! Das war seine Bedeutung für sein Volk. Und indem wir ihn ehrten, ehren wir das Beste in uns selbst. [...] Wir übergeben seine sterblichen Überreste der Erde, in der Gewissheit, dass das, was wir in den Boden legen, kein Fleisch mehr ist, sondern ein Samenkorn, das wieder auferstehen wird, um uns zu befreien.“

Ronald Reagan (1986)

  • Der Kontext: Am 28. Januar 1986 explodierte die Raumfähre Challenger nur 73 Sekunden nach dem Start vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Besonders tragisch: Millionen Schulkinder sahen live zu, da mit Christa McAuliffe erstmals eine Lehrerin ins All fliegen sollte.
  • Der Moment: Reagan sollte eigentlich am selben Abend seine Rede zur Lage der Nation (State of the Union) halten. Er verschob sie – ein historisches Novum – und sprach stattdessen aus dem Oval Office direkt zum amerikanischen Volk.
  • Die Zielgruppen: Die Rede ist meisterhaft strukturiert, weil sie verschiedene Gruppen nacheinander anspricht: die Familien der Opfer, die Mitarbeiter der NASA und – besonders einfühlsam – die Kinder, die das Unglück in den Schulen miterlebt hatten.
  • Die literarische Kraft: Reagan beendete die Rede mit Versen aus dem Gedicht „High Flight“ von John Gillespie Magee. Diese Worte verliehen dem technologischen Versagen eine spirituelle, fast transzendente Dimension.

Was wir von Ronald Reagan lernen können

Die Rolle des „Healer-in-Chief“: In einer Krise muss ein Anführer seine politische Agenda sofort beiseite schieben und Raum für kollektive Trauer schaffen. Empathie ist hier wichtiger als Fakten.

Zielgruppengerechte Ansprache: Reagan wusste, dass Kinder zusahen und Angst hatten. Er erklärte ihnen den Tod als Teil des menschlichen Entdeckergeistes. Wenn Du komplexe oder traurige Themen erklärst, überlege genau: Wer hört zu und was braucht diese Person gerade am meisten?

„Wir werden sie nie vergessen, noch das letzte Mal, als wir sie sahen, heute Morgen, als sie sich auf ihre Reise vorbereiteten und zum Abschied winkten und ‚die mürrische Umklammerung der Erde lösten‘, um ‚das Antlitz Gottes zu berühren‘.“

Bill Clinton für Jitzchak Rabin (1995)

  • Der Kontext: Der israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin wurde am 4. November 1995 von einem jüdischen Rechtsextremisten ermordet, um den Friedensprozess mit den Palästinensern zu stoppen. Bill Clinton, der Rabin eng verbunden war, sprach bei der Beisetzung in Jerusalem vor Staatsmännern aus der ganzen Welt, auch aus der arabischen Welt.
  • Der persönliche Ton: Clinton sprach nicht nur als US-Präsident, sondern als Freund. Er schuf ein Bild von Rabin als einem „Soldaten des Friedens“.
  • Der legendäre Abschied: Er beendete seine Rede mit zwei hebräischen Worten: „Shalom, Chaver“ (Auf Wiedersehen/Friede sei mit dir, Freund). Dieser Satz wurde in Israel zum geflügelten Wort und Symbol für die Hoffnung auf Frieden.
  • Die politische Wirkung: Die Rede half, die Erschütterung über den Mord in eine weltweite Solidaritätsbekundung für den Friedensprozess zu verwandeln.

Was wir von Bill Clinton lernen können

Die Kraft der Muttersprache: Indem Clinton die letzten Worte auf Hebräisch sprach, baute er eine sofortige, tiefe Verbindung zum israelischen Volk auf. In der Kommunikation zeigt das Benutzen der „Sprache des Herzens“ des Gegenübers echten Respekt und Empathie.

Persönliche Verletzlichkeit: Ein Staatsmann darf (und sollte) in solchen Momenten Mensch sein. Die Mischung aus politischer Vision und persönlicher Trauer machte seine Rede glaubwürdig.

„Deine Reise ist zu Ende gegangen, aber Dein Vermächtnis lebt weiter. [...] Mögen wir alle die Kraft finden, den Weg fortzusetzen, den Du gewiesen hast. Shalom, Chaver.“

Earl Spencer für Prinzessin Diana (1997)

  • Der Kontext: Nach dem tragischen Tod von Prinzessin Diana in Paris war die Stimmung in Großbritannien hochexplosiv. Das Volk trauerte massiv, während das Königshaus zunächst distanziert wirkte. In der Westminster Abbey hielt Dianas Bruder, Charles Spencer, eine Rede, die das Protokoll sprengte.
  • Die Provokation: Spencer griff direkt die Boulevardpresse an („die gejagteste Person der Moderne“) und kritisierte subtil, aber deutlich die königliche Familie für ihren Umgang mit Diana.
  • Das Echo: Während der Rede brandete draußen vor der Kirche Applaus auf, der schließlich in die Abbey hineinreichte – ein absolut beispielloser Moment in der britischen Geschichte.
  • Das Vermächtnis: Die Rede zementierte Dianas Bild als „Königin der Herzen“ und zwang die Monarchie zu einer Modernisierung ihrer Kommunikation.

Was wir von Earl Spencer lernen können

Authentizität schlägt Etikette: Manchmal muss man mit Erwartungen brechen, um die Wahrheit zu sagen. Spencers Mut, den Schmerz und die Wut seiner Familie öffentlich zu machen, machte ihn zur Stimme von Millionen.

Schutz des Vermächtnisses: Eine gute Grabrede definiert, wie ein Mensch in Erinnerung bleiben soll. Spencer weigerte sich, Diana heiligzusprechen; er beschrieb sie als komplex und lebendig, was sie für die Menschen noch nahbarer machte.

„Ich verspreche heute im Namen Deiner Mutter und Deiner Schwestern, dass wir, Deine Familie, diesen Weg fortsetzen werden, um diese beiden geliebten jungen Männer [William und Harry] so zu führen, dass ihre Seelen nicht nur in Pflicht und Tradition eingetaucht sind, sondern frei singen können, wie Du es geplant hast.“

Berühmte Grabreden des 21. Jahrhunderts

In der heutigen Zeit dienen große Trauerreden oft dazu, Gräben in einer polarisierten Gesellschaft zu überbrücken.

Hans-Jochen Vogel für Johannes Rau (2006)

  • Der Kontext: Johannes Rau war einer der beliebtesten Bundespräsidenten Deutschlands, bekannt für sein Motto „Versöhnen statt spalten“. Nach seinem Tod im Jahr 2006 hielt sein langjähriger Weggefährte Hans-Jochen Vogel eine Rede beim Staatsakt im Berliner Dom.
  • Die moralische Tiefe: Vogel würdigte Rau nicht nur als Politiker, sondern als Menschen, dessen Handeln tief in seinem christlichen Glauben verwurzelt war. Die Rede war ein Plädoyer für Anstand und Menschlichkeit in der Politik.
  • Der deutsche Stil: Im Gegensatz zum amerikanischen Pathos war diese Rede geprägt von einer „würdevollen Nüchternheit“, die dennoch eine enorme emotionale Durchschlagskraft hatte, weil sie absolut authentisch wirkte.
  • Das Vermächtnis: Sie gilt heute als eine der bedeutendsten Trauerreden der Bundesrepublik, weil sie den Kern dessen traf, was Johannes Rau für die Menschen war: ein „Bürgerpräsident“.

Was wir von Hans-Jochen Vogel lernen können

Werte-Kommunikation: Vogel sprach weniger über Gesetze und Erfolge, sondern über Haltungen. In einem Blogbeitrag zeigt dies: Menschen folgen keinen Funktionen, sie folgen Werten.

Die Kraft der Freundschaft: Indem Vogel persönliche Anekdoten und gemeinsame Überzeugungen teilte, wurde die Rede greifbar. Die Verbindung von Professionalität und persönlicher Nähe schafft höchstes Vertrauen beim Zuhörer.

„Johannes Rau hat nicht nur davon gesprochen, dass wir versöhnen statt spalten sollen – er hat es gelebt. Er war ein Mann, der Brücken baute, wo andere Mauern sahen, und der uns gezeigt hat, dass Politik ohne Menschlichkeit keine Zukunft hat.“

Barack Obama für Clementa Pinckney (2015)

  • Der Kontext: Nach dem rassistisch motivierten Attentat in der Emanuel African Methodist Episcopal Church in Charleston hielt Obama die Trauerrede für den ermordeten Pastor Clementa Pinckney. Die USA befanden sich in einer Phase extrem hoher rassischer Spannungen.
  • Der „Amazing Grace“-Moment: Obama analysierte in der Rede die Geschichte der Sklaverei und den systemischen Rassismus (die Konföderiertenflagge). Der Höhepunkt war jedoch, als er mitten in der Rede innehielt und begann, den Gospel-Song „Amazing Grace“ zu singen. Die gesamte Trauergemeinde stimmte ein.
  • Die rhetorische Form: Diese Rede war keine klassische politische Ansprache, sondern eine Mischung aus politischer Analyse und einer schwarzen Baptisten-Predigt.
  • Die Wirkung: Sie verwandelte einen Moment nationaler Schande und Trauer in einen Moment der spirituellen Heilung und Einheit.

Was wir von Barack Obama lernen können

Sprengung des Rahmens: Obama zeigt, dass man manchmal das Medium wechseln muss (vom Reden zum Singen), um Menschen dort zu erreichen, wo Worte nicht mehr ausreichen. Mut zur unkonventionellen Geste kann eine Rede unsterblich machen.

Das Konzept der „Gnade“ (Grace): Er nutzte einen religiösen Begriff, um eine politische Botschaft der Versöhnung zu vermitteln. Das Verknüpfen von universellen menschlichen Sehnsüchten mit aktuellen Problemen ist die höchste Stufe der Rhetorik.

„Gnade ist nicht etwas, das wir uns verdienen. Es ist etwas, das uns geschenkt wird. [...] Wenn wir diese Gnade annehmen, wenn wir sie in unser Herz lassen, dann können wir die Dinge ändern. Nicht durch Hass, sondern durch die Erkenntnis, dass wir alle Gottes Kinder sind.“

Fazit: Was wir als Redner von den Giganten der Geschichte lernen können

Hinter jeder der hier vorgestellten Reden steht eine universelle Wahrheit, die für jeden Trauerredner von unschätzbarem Wert ist: Worte sind die Brücke vom Schmerz zur Heilung.

Die Geschichte zeigt uns, dass es in einer Abschiedsrede nicht darum geht, eine fehlerfreie Biografie vorzulesen. Es geht darum, das Wesen eines Menschen zu erfassen und es in einen größeren Kontext zu stellen.

  • Von Perikles lernen wir, wie man den Sinn hinter dem Verlust findet.
  • Von Lincoln lernen wir, dass die größte Kraft oft in der Kürze und Klarheit liegt.
  • Von Barack Obama lernen wir, dass Authentizität und der Mut zu menschlichen Gesten Mauern einreißen können.

Für Deine tägliche Arbeit bedeutet das: Hab den Mut, über die bloßen Daten hinauszugehen. Suche nach dem „Warum“ eines Lebens. Nutze Symbole, Analogien und eine Sprache, die nicht nur den Verstand, sondern die Seele erreicht.

Diese Reden sind Einladungen. Einladungen dazu, das Vermächtnis eines Menschen so zu würdigen, dass es in den Herzen der Zuhörer weiterlebt. Denn am Ende ist jede Trauerrede, egal wie klein oder groß der Rahmen ist, ein Akt der Liebe und der Bewahrung von Geschichte.

Autor*in

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